Archiv für Juni, 2008


veröffentlicht: Juni 5th, 2008

Ursprung der Drachenbootrennen

Der Drachenbootsport hat sich seit 1976 von Hong Kong ausgehend rasend schnell über die Welt verbreitet. Der Sport wird mittlerweile in 62 Ländern aktiv betrieben und ist in diesen, worunter sich auch Deutschland befindet, in nationalen Drachenbootverbänden, welche wiederum dem Internationalen Drachenbootverband (International Dragon Boat Federationn = IDBF) angehören, ordentlich und bestens organisiert.

Beim Drachenbootsport handelt es sich um eine Paddelsportart aus China, bei der lange, schmale Boote, ohne Kiel, mittels Stechpaddel von der Besatzung, welche in einer Zweier-Reihe im Boot sitzt, voran getrieben werden.

Das Drachenboot ist rein chinesischen Ursprungs und seine Existenz kann aufgrund von gefundenen Höhlenmalereien auf ca. 5000 Jahre zurück datiert werden.

79522863_-r7u3835jpg.jpg

Drachen sind im chinesischen Glauben die mächtigsten Wesen und können in etwa mit der Stellung unserer antiken Götter verglichen werden. Es gibt eine Menge verschiedene Drachen wie in etwa die großen Drachen der vier Himmelsrichtungen, den Drachen der See, des Wetters und so weiter. Auch wohnt z.B. in jedem Berg ein Drache. Im folgenden sprechen wir einfach nur vom Drachen, es wird sonst zu kompliziert.

Klimabedingt beginnt in China mit dem Frühling auch die feucht-heisse Jahreszeit, welche durch heftige Regenfälle, von Temperaturen jenseits 30Ëš Celsius bei bis zu 100% relativer Luftfeuchtigkeit und im Küstenbereich durch gewaltige Taifune geprägt wird.

Vor allem in alter Zeit, bei der Ernten durch Überschwemmungen vernichtet wurden sowie Krankheiten und Seuchen nur so aufblühten, wie z.B. die Malaria, das Denguefieber usw., übertragen durch Mücken, welche sich bei feuchter Hitze verstärkt vermehren, war zuviel Wasser letztlich die Ursache für vieles Leid.

Was also lag näher, als den verantwortlichen Drachen durch eine verehrende Prozession mit einem Boot auf dem Wasser und mit Opfergaben zu Beginn eines jeden Frühlings freundlich und wohlgesonnen zu stimmen?

Das Drachenboot wurde tausende von Jahren zur Verehrung der Drachen benutzt, wobei es nicht selten war, daß die Boote Besatzungen von 120 Mann und mehr zu tragen hatten.

Die Tradition der Drachenbootrennen kam erst sehr viel später auf und wurde vor ca. 2300 Jahren durch die Geschehnisse ausgelöst, welche zum Tod des damals berühmten und geliebten Dichters und Staatsmannes Qu Yuan (spricht sich wie: Tschüh Jüenn) geführt haben.

Qu Yuan lebte zu einer Zeit, in der das heutige China aus sechs Königsreichen bestand, welche sich untereinander bekriegten.
Letztlich gerieten dann auch die zwei größten Staaten, Chu und Chin, aneinander.

Qu Yuan war am Hofe Chu ein Berater des Königs, welcher Qu Yuan jahrelang so bedingslos vertraute, daß andere Staatsmänner neidisch wurden und anfingen Qu Yuan zu verleumden. So kam es, daß Qu Yuan beim König in Ungnade fiel und sein Rat im Krieg gegen Chin nicht mehr erhört wurde.

Das Reich Chu wurde unterworfen und wie auch die anderen Königreiche Bestandteil des Reiches Chin, woraus später das Kaiserreich CHINA wurde.

Der zuvor unter Chu schon verleumdete und verratene Qu Yuan wurde nun auch von Chin verurteilt und ins Exil geschickt.

In Folge des an ihm begangenen Verrates und der gemeinen Verleumdung schrieb Ou Yuan, seine berühmte und die, für die weltweite Dichtung so bedeutende Li Sao, in der er all sein Leid, den Verrat und Betrug beschreibt, sowie seine Suche nach Rat und Gerechtigkeit, während der er auch auf dem Rücken eines Drachen zum Himmel reitet, was aber darin endet, daß er abgewiesen wird und unvollrichteter Dinge zurück zur Erde reiten muß.

Während es unklar ist, ob er die Li Sao unmittelbar nach all der Verleumdung aber noch zu Zeiten der letzten Tage des Reiches Chu geschrieben hat, oder aber erst später im Exil, so endet sein Leben damit, daß er sich selber im Fluß Mi Lo in der heutigen Provinz Hunan ertränkt hat.

Als das Volk von der Selbsttötung Qu Yuan’s bzw. seiner Intention hierzu erfuhr, eilte man mit Booten auf das Wasser hinaus um ihn zu finden, worüber es in den Überlieferungen die Versionen gibt, daß man entweder versuchte ihn noch zu retten oder aber einfach nur seinen Körper zwecks ehrenvoller Bestattung finden wollte. In jedem Fall schlug man wohl mit Stöcken und Paddeln auf’s Wasser und schlug mit Trommeln Krach, der Fische verscheuchen sollte, damit diese sich nicht an seinem Körper verbeißen.

Man fand Qu Yuan nicht und verehrt ihn seit dem an jedem Jahrestag mit Bootsrennen, welche den eiligen Rettungsversuch vor ca. 2300 symbolisieren und woraus die heutigen Drachenbootrennen entstanden sind.

Warum aber werden hierzu ausgerechnet Drachenboote verwendet?

Stellen Sie sich doch einmal so einen Rettungsversuch praktisch vor.
Die Retter waren in Eile und sicherlich haben sie sich jedes nur verfügbare Boot gegriffen, wobei es doch sehr unwahrscheinlich ist, daß dieses fertig dekorierte Drachenboote waren, und wenn doch, dann wahrscheinlich nur das eine für die übliche Frühlingszeremonie.

Es sind hier wahrscheinlich verschiedene Traditionen vereint.

Zum einen wurden Landesherrscher wie Könige und Kaiser in der Volksansicht einem Drachen gleich gestellt. Qu Yuan war kein Herrscher, aber beim Volk dennoch ähnlich hoch angesehen und respektiert. Es ist also sehr gut möglich, daß man hier die Regel aufgrund seiner Beliebtheit umgangen hat und daher die Bootsrennen ihm zu Ehren mit Drachenbooten veranstaltet hat.

Zum anderen beschreibt Qu Yuan in der Li Sao seinen Ritt auf einem Drachen zum Himmel während seiner Suche nach Gerechtigkeit. Es besteht also eine gewisse Wahrscheinlichkeit, daß in Anlehnung daran das Drachenboot benutzt wird.

Da jahreszeitlich die voher schon übliche Drachenbootzeremonie in die gleiche Saison fällt wie die Geschehnisse um Qu Yuan könnte es sich aber durchaus auch um eine Zusammenführung der älteren Tradition mit der neueren handeln.

Möglich ist auch, daß die Bootsrennen erst zu Drachenbootrennen wurden als sich eine gewisse sportliche Entwicklung eingestellt hatte.
Der Drache symbolisiert nämlich den stärksten Willen zum Sieg und so beinhaltet das paddeln eines Drachenbootes sicherlich mehr Ansporn für die Mannschaft als wenn es nur ein normales Boot wäre.

Wie dem auch sei, über die Jahrhunderte hat sich die Ehrerbietung an Qu Yuan in ganz China eingebürgert. Der Jahrestag des Ablebens von Qu Yuan richtet sich nach dem chinesischen Mondkalender, wonach jedes Jahr am fünften Tag des fünften Mondes der, abgesehen vom chinesischen Neujahr, wichtigste Feiertag begangen wird, - der Tag des Drachenbootfestes.

Mit Blick auf die Verbreitung des Sports stellt man fest, daß der Drachenbootsport sich zusehends nach Süd-China mit seinen Flüssen, Seen und der Küste zum Süd-Chinesischen Meer bewegt hat und weniger nach Norden, wo halt kaum geeignete Gewässer verhanden sind.

In der Nachkriegsgeschichte wurde China von heftigen Unruhen wie z.B. der kommunistischen Revolution gebeutelt.
Es gab viele Flüchtlinge, die nach Übersee gegangen sind, in Länder wie Malaysien, Indonesien oder Singapore.
Vor allem aber wurde die damals noch britische Kolonie Hong Kong mit Flüchtenden Hauptland-Chinesen übervölkert.
Hong Kong wurde zu einem Schmelztiegel der Kulturen und Traditionen aus den unterschiedlichsten Provinzen Chinas.
Alle gemeinsam jedoch verehren und gedenken Qu Yuan am Tag des Drachenbootfestes und somit wurde das Drachenboot zum Synonym für Hong Kong, die Mutter des modernen Drachenbootsportes.

In Hong Kong begann 1976 die Ära des modernen Drachenbootsportes mit den ersten internationalen Drachenbootrennen.

Dragon Boat Net - Die Internationale Seite des Drachenbootsports
Das einzige weltweite Drachenbootmagazin
Der Internationale Drachenboot-Verband (IDBF)

Share This Post


Counter by WebHitsCounter